Kein kleines oder nettes wie aus „Die Monster AG“, sondern ein wirklich großes bösartiges, welches Angst und Schrecken verbreitet, laut schreit, Möbel verrückt, um sich schlägt, ein riesen Chaos verursacht und dann eine unbehagliche Stille und Stimmung hinterlässt.

Schon lange begleitet es Mich. Schon so lange, dass Ich nicht mal weiß, wann es das erste Mal aufgetaucht ist.

Das letzte Mal kam es Heute und so wütend wie Heute habe ich es schon sehr lange nicht erlebt. So wütend, dass selbst Ich Angst vor ihm hatte, so wütend, dass Ich Mir wünsche Meine Kinder würden gehen, irgendwohin wo dieses Monster sie nicht findet, wo es sie nicht anschreit und ihnen Angst macht. Ich wünschte Ich könnte sie wegteleportieren wenn es im Anmarsch ist, wünschte Ich könnte es aufhalten oder komplett verbannen.

Das versuche Ich schon mein gesamtes Erwachsenenleben, vor allem seitdem Ich Mama bin. Lange habe Ich es für Mich behalten und gehofft, dass auch Meine Kinder es für sich behalten, damit wir nicht getrennt werden. Ab und an teilte Ich Mich Freunden und Bekannten mit und machte die Erfahrung, dass auch sie Monster in sich tragen. Keiner von ihnen verurteilte Mich deswegen und es hatte auch keiner ein „Gegenmittel“. Die meisten hielten dies auch nicht für nötig, manche befanden es sogar als „richtig“. Für Mich fühlt es sich jedoch nicht „richtig“. Es ist schrecklich für Mich diesen Kontrollverlust zu erleiden, zu sehen wie Meine Kinder zusammenzucken, anfangen zu weinen oder erstarren, das fühlt sich furchtbar an.

Über die Jahre habe Ich verschiedenes ausprobiert. Ich habe versucht es zu kontrollieren, im Zaum zu halten und zu unterdrücken. Ich habe Mich an „Fachleute“ gewandt und auch dort eher Zuspruch als Widerspruch erhalten. Ich habe Mich verurteilt, geschämt und schuldig gefühlt. Habe Mich bestraft und verurteilt und all das half nichts. Seit einigen Jahren arbeite Ich aktiv an meinen seelischen Baustellen und das sind wahrhaftig viele. Ich habe einige liebevolle Begleiter gefunden, jene die Mich ebenfalls nicht verurteilen und dennoch die Gewalt benennen, die in Meinem Verhalten steckt. Menschen die Grundwerte leben, die Ich innerlich schon immer fühlen konnte, Menschen die Vorbilder sind, weil sie vorleben und nicht vorsagen. Ich habe Mich mit den verschiedensten Themen beschäftigt. Das allgemeine Gewaltverständnis, strukturelle Gewalt,  institutionelle Gewalt, Menschenrechte, Kinderrechte, Freilernen, autoritäre und antiautoritäre Erziehung, Unerzogen, bedürfnisorientiert, Kitafrei, Selbstbewusstsein, Selbstwert, Selbstliebe, Gehirnforschung, Psychologie, Rechtsprechung, geschichtliche Entwicklungen, Persönlichkeitsentwicklung usw. Und jedes dieser Themen hat Mich ein Stück näher zu Mir gebracht und das Monster ein Stück kleiner und sanfter werden lassen, es ist sogar für einige Zeit verschwunden. Doch ganz weg war es dann doch nicht. Das war ok. Hatte Ich doch gelernt, dass es ok ist, nicht perfekt zu sein. Doch Heute kam es so überraschend, so überwältigend, so stark und kraftvoll, dass Ich es nur mit viel Anstrengung geschafft habe die Kontrolle zurückzugewinnen und größeren Schaden zu vermeiden.

Nun wollte Ich hier eigentlich die Frage beantworten, was passiert ist und dazu geführt hat, jedoch glaube Ich jetzt, dass es wichtiger ist, zu fragen, warum es dieses Monster in Mir gibt und was es eigentlich macht.

Gerade geht Mir nochmal eine Szene aus „Die Monster AG“ durch den Kopf. Eine wo Sulley (das große liebevolle blaue Monster) gar nicht liebevoll ist sondern außer sich vor Wut. Es ist die Stelle wo er Buh (das kleine Mädchen) beschützt, als ihr jemand schaden möchte. So breche Ich hier während des Schreibens zum tausendsten Mal in Tränen aus, weil Mir gerade klar wird, dass dieses Monster in Mir genau dann zum Vorschein kommt, wenn Ich Schutz brauche und ihn Mir selbst nicht gebe. Als Kind brauchte Ich oft Schutz, Ich erinnere Mich an sehr viele schreckliche Situationen, welche Ich ohne den Schutz Meines inneren Monsters evtl. nicht überlebt hätte. Auch in Meiner Jugend und frühem Erwachsenenalter gab es einige Momente, in denen mein starkes Ich gefragt war um Mich vor Schaden zu bewahren. Doch warum kommt dieses Monster jetzt auch in Situationen in denen es nicht um Leben und Tod geht. Weiß es denn nicht, dass Ich Mich nicht vor Meinen Kindern schützen muss? Scheinbar nicht! Mein Monster schützt Mich, wenn Ich es nicht tue. Es stehen gerade so viele Bedürfnisse an, die mal wieder an der Reihe sein wollen und egal wie sehr Ich Mich bemühe, reflektiere, meditiere, annehme, loslasse oder sonstiges, Ich kann nicht mehr leisten als Meiner Macht steht. Ich kann Meine Baustellen nicht alle zeitgleich bearbeiten und Ich kann Mein Gehirn nicht mit einem Knopfdruck umprogrammieren. Veränderung braucht Zeit und ob es uns gefällt oder nicht, wir können die Heilung nicht beschleunigen und Frieden nicht über Nacht herzaubern.

So nehme Ich Mich und Meine Kinder – die übrigens wesentlich schneller vergeben können als Ich – jetzt in den Arm und schaue mit ihnen gemeinsam, was Wir Uns heute Gutes tun wollen. Und später oder morgen wird besprochen wie Wir zukünftig gemeinsam solchen Situationen vorbeugen können.

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